Zweifel

Tuesday, March 24th, 2009 at 00:22

Achtung, ich bin gerade irgendwie komisch drauf, deswegen leicht gefühlsdusseliger Schmonz vorraus.

Ich stand vor etwas mehr als zwei Jahren nach dem Studium vor einer großen Entscheidung: Nach Hamburg gehen und mehr als 500 km weit weg von meinem gesamten sozialen Umfeld neu Anfangen oder nicht. Damals habe ich mich dafür entschieden. Da spielte eine Rolle, dass zu erwarten war, dass ich sowieso irgendwo anders hingehen würde, weil es in meiner Gegend einfach keine vielversprechenden Jobs in meinem Gebiet gab, dass sich mein Freundeskreis gerade sowieso langsam aber sicher in die weite Welt verstreute, und weil ich die Firma schon gut kannte und sie es definitiv wert war.

Aber dann kommen lange Wochenenden in der Heimat wie das letzte, oder Silvester. Plötzlich sitzt man wieder zusammen, macht irgendwelchen Mist und hat so viel Spaß wie schon lange nicht mehr. Da erinnert man sich plötzlich, wie man früher fast jedes Wochenende irgendwas zusammen gemacht hat, und da kommen einem dann doch plötzlich Zweifel, schließlich kommt man mittlerweile vielleicht alle 3 Monate noch mal zusammen.

Ich denke insgesamt bereue ich es nicht wirklich, vor allem wenn man die Alternative sieht. Die wäre nämlich, zwar hier in der Gegend zu sein, dafür aber wahrscheinlich in einem eher durchwachsenem Job zu arbeiten, in dem kein Spaß aufkommt. Aber sicher, das ich es noch einmal genauso machen würde, bin ich nicht. Und trotzdem bin ich gefühlt noch nicht wirklich in Hamburg angekommen, ich hänge noch irgendwo mittendrin fest, und bin hin- und hergerissen, nicht nur zwischen 2 Orten, sondern auch zwischen Studenten- und Arbeitsleben.

Man mag sich wundern, wie das nach 2 Jahren sein kann. Dabei sollte man sich aber mal vorstellen, wie es ist, in eine Stadt zu gehen, in der man niemanden kennt. Kein Netz, kein doppelter Boden, harte Realität. Noch dazu, wenn man sozial nicht gerade der Begabteste und auch nicht gerade vertrauensselig ist. Ganz abgesehen davon, dass man Freunde, die man mehr als die Hälfte seines Lebens kennt, nicht durch ein paar neue Bekanntschaften ersetzen kann (und will).

5 Responses to “Zweifel”

  1. tschilai Says:

    Im Gegensatz zu Dir _wollte_ ich wirklich weg aus Chemnitz (meine beste Freunde aus Schultagen waren da aber eh schon vondannen gezogen). Außerdem war ich auch nicht völlig allein, sondern bin direkt in eine WG mit einem Freund gezogen. Und trotzdem hat es eine ganze Weile gedauert bis ich mich als “angekommen” gefühlt habe. Genau rekonstruieren kann ich es nicht, aber zwei Jahre waren das mindestens.

    Wobei ich ohne meinen wöchentlichen Spieleabend wahrscheinlich jetzt noch nicht “da” wäre. Gibt’s nicht auch irgendeine regelmäßige Gruppenaktivität (weniger als einmal die Woche bringt’s wahrscheinlich eher nicht), für die Du Dich begeistern kannst? Sofern man nicht gerade ein Autist ist, ergeben sich dann ja zwangsläufig irgendwann Bekanntschaften. Als soziales Genie würde ich mich nämlich auch nicht gerade bezeichnen ;)

  2. klti Says:

    Also ich wollte damals auch weg, aus diversen Gründen, der Freundeskreis war das einzige, was mich zumindest etwas zögern ließ. Ich hatte ja damals den Vorteil, dass ich das ein Jahr zuvor schon mal 4 Monate lang als Praktikant ausprobiert hatte (selbe Stadt, selbe Firma), von daher wusste ich, was mich erwartet, ich weis nicht, ob ich das ins Blinde hinein gemacht hätte.

    Die Gruppen-Idee hatte ich ja auch schon, nur leider bin ich eine ungünstige Kombination aus Eigenbrödler, zu viel Arbeit, Faulheit, und komischen Hobbies ;-) Aber im Ernst, die Ideen, die ich hatte, waren alle irgendwie Rohrkrepierer (die LUG hat sich zum Beispiel direkt aufgelöst, als ich gerade in Hamburg angekommen war 8O ).

  3. Starstuff Says:

    Fühl dich mal ferngeknuddelt :)

    Siehste, da wo du bist wäre ich gerne. Ich liebe Dresden; die Stadt und die Menschen und die Atmosphäre, aber die meisten meiner Freunde sind nicht mehr hier (über ganz D bzw. Europa verstreut) und jobmäßig sieht es hier auch eher traurig aus. Deswegen hoffe ich darauf, dass ich hier weg komme, auch wenn mir vieles fehlen wird.

    Bin aber sozial genauso kompetent wie du :D Wenn meine Freunde nicht meine Freunde wären und mich immer wieder mal anrufen und zu einer Gruppenaktivität einladen würden, würde ich am Wochenende gar nicht aus der Bude kommen :oops:

  4. klti Says:

    Danke :-)

    Bei mir ist es ja mittlerweile auch so, das nur noch wenige von meinen Freunden in C sind. Das führt dann so zu lustigen Effekten, das ein Freund, der mittlerweile zum Schwaben geworden ist, das Wochenende vor mir mal wieder da war. Das gibt langsam echt Abstimmungsprobleme. :roll: Aber da finden sich Wege. Mittlerweile hat sich zum beispiel bewährt, dass sich zu Silvester Alle bei Einem versammeln und dann paar Tage lang jede Menge Blödsinn gemacht wird, bis man sich nach Neujahr wieder in alle Winde verstreut.

    Würdest du in eine Stadt gehen, in der du keinen kennst? Jetzt mal angenommen, dass das die einzige Möglichkeit wäre, die sich ergeben würde?

  5. Starstuff Says:

    Klar würde ich in eine Stadt gehen, wo ich keinen kenne. Ich war ja auch ein Jahr in einem Land, wo ich keinen kannte und 7 Monate in München, ohne dass ich dort schon jemanden kannte :)

    Nein, ernsthaft – für mich ist sowas kein Thema, ich will einfach nur einen Job haben, der halbwegs Spaß macht. Alles andere ergibt sich.

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